FORMFOLGE / PLANUNG / ENTSCHEIDUNG

Wann ich von einem Produktfilm abrate – und was dann besser hilft

Produktfilme sind mein Beruf. Trotzdem gibt es Situationen, in denen ich davon abrate – oder zumindest vom falschen Zeitpunkt. Ein Film verstärkt eine klare Aussage, er ersetzt keine. Hier sind fünf Fälle, in denen Ihr Budget anderswo mehr bewirkt, und die Zeichen, an denen Sie erkennen, dass ein Film jetzt das Richtige ist.

Von Kerim Akgül
01 / 06

Sie können den Nutzen noch nicht in einem Satz sagen

Wenn im Team noch diskutiert wird, für wen das Produkt eigentlich gedacht ist, beendet ein Film diese Diskussion nicht. Er macht sie teurer: Jede offene Frage landet als Feedback auf dem Tisch, und am Ende versucht der Film, allen gerecht zu werden.

Was stattdessen hilft: Schreiben Sie zuerst den Satz. „Angebote für Roboterzellen in 22 Minuten statt in fünf Tagen“ ist ein Satz, aus dem ein Film werden kann. Versteht ein Kunde ihn ohne Nachfrage, ist es Zeit für den Film.

02 / 06

Niemand weiß, wo der Film laufen soll

Ein Film, der auf keiner Seite eingebunden, in keinem Angebot verlinkt und in keiner Anzeige geschaltet ist, wirkt nicht. Das klingt banal, passiert aber leicht: Der Film ist fertig, und erst dann fragt jemand, wohin damit.

Was stattdessen hilft: Legen Sie den ersten Einsatzort fest, bevor produziert wird. Er bestimmt Format, Länge und Ton. Ein Film für die Produktseite läuft in 16:9 und darf erklären. Ein Film für LinkedIn läuft im Hochformat und muss auch ohne Ton funktionieren.

03 / 06

Ihr Produkt ändert sich gerade grundlegend

Kleine Änderungen an der Oberfläche sind kein Problem, weil ich sie für den Film vereinfacht nachbaue. Anders ist es, wenn sich der Kern ändert: ein neues Preismodell, ein anderer Hauptablauf, eine neue Zielgruppe. Dann zeigt der Film in drei Monaten ein Produkt, das es so nicht mehr gibt.

Was stattdessen hilft: Warten Sie, bis der Ablauf feststeht, den der Film zeigen soll. Drängt ein Termin, überbrückt ein kurzer Feature-Clip die Zeit – er hängt an einer Botschaft, nicht an Details.

04 / 06

Ihre Kunden brauchen eine Anleitung, keinen Film

Wer wissen will, wo genau er klicken muss, braucht die echte Oberfläche, jeden einzelnen Schritt und die Möglichkeit, zurückzuspulen. Ein animierter Produktfilm lässt bewusst weg. Für Website und Vertrieb ist das eine Stärke, für eine Anleitung ein Fehler.

Was stattdessen hilft: Bildschirmaufnahmen aus Ihrem Team, eine gute Hilfeseite oder eine interaktive Demo. Das ist günstiger und lässt sich nach jedem Update selbst aktualisieren.

05 / 06

Nach dem Film fehlt der nächste Schritt

Ein Film kann Interesse wecken. Folgt danach eine Seite ohne klaren nächsten Schritt – kein Kontakt, keine Demo, kein Preis –, verpufft es. Dann bringt jeder Euro in die Seite mehr als einer in den Film.

Was stattdessen hilft: ein klarer nächster Schritt direkt neben dem Film, etwa „Demo buchen“, „Testzugang“ oder „Rückruf vereinbaren“. Steht der, lohnt es sich, mehr Menschen dorthin zu bringen.

VOR DEM AUFTRAG

Fünf Fragen, fünfmal Ja?

  1. 01

    Können Sie den Nutzen in einem Satz sagen?

    Wenn nein: Erst den Satz schreiben.

  2. 02

    Steht fest, wo der Film zuerst läuft?

    Wenn nein: Erst den Einsatzort festlegen.

  3. 03

    Bleibt der Hauptablauf in den nächsten Monaten gleich?

    Wenn nein: Einen Feature-Clip statt eines langen Films planen.

  4. 04

    Soll der Film überzeugen und nicht anleiten?

    Wenn nein: Bildschirmaufnahme oder Hilfeseite.

  5. 05

    Gibt es nach dem Film einen klaren nächsten Schritt?

    Wenn nein: Erst die Seite, dann der Film.

Fünfmal Ja: Der Film hat die besten Voraussetzungen. Zweimal Nein: Erst das klären, dann produzieren.
06 / 06

Woran Sie erkennen, dass der Zeitpunkt richtig ist

Umgekehrt gibt es klare Zeichen, dass ein Film jetzt mehr bringt als jede andere Maßnahme. Treffen zwei davon zu, lohnt sich das Gespräch:

  • Ihr Vertrieb erklärt in jedem Termin denselben Ablauf.
  • Interessenten verstehen den Nutzen erst in der Vorführung, nicht auf der Website.
  • Ein Launch, eine Messe oder eine neue Pflicht steht fest im Kalender.
  • Ihr Produkt ist schwer zu sehen: Software, Daten oder ein Vorgang im Inneren einer Maschine.

Häufige Fragen

Kostet das Erstgespräch etwas, wenn am Ende kein Film entsteht?

Nein. Erstgespräch, Angebot und Szenenplan sind kostenlos und unverbindlich. Wenn ein Film gerade nicht passt, erfahren Sie das im Erstgespräch – zusammen mit dem, was stattdessen hilft.

Kann der Szenenplan helfen, die Aussage zu finden?

Ein Stück weit, weil er zwingt, sich für eine Szene zu entscheiden. Die Entscheidung, für wen Ihr Produkt gedacht ist, liegt trotzdem bei Ihnen.

Was ist der kleinste sinnvolle Einstieg?

Ein Feature-Clip ab 390 € mit genau einer Botschaft. Er funktioniert, sobald die Botschaft steht – auch wenn sich Details am Produkt noch ändern.