FORMFOLGE / B2B-VERTRIEB / 19

Produktvideos im B2B-Vertrieb: Komplexe Produkte im Kundengespräch erklären

Ein B2B-Produktvideo kann die Erklärung übernehmen, die dein Vertrieb in jedem Gespräch wiederholt. Zeige eine konkrete Anwendung, die entscheidende Funktion und das Ergebnis für den Kunden. Der Film sollte das Gespräch erleichtern und auch für Menschen verständlich sein, die beim ersten Termin nicht dabei waren.

Von Kerim Akgül
01 / 06

Welche Erklärung wiederholt dein Vertrieb?

Frag dein Vertriebsteam, an welcher Stelle Interessenten regelmäßig nachhaken. Vielleicht ist die Integration einer Software unklar, ein Mechanismus von außen nicht sichtbar oder der Unterschied zur bisherigen Lösung schwer zu erklären. Das ist ein guter Ausgangspunkt. Ein Film über die gesamte Firma beantwortet diese konkrete Frage meist nicht.

Wähle eine Situation, die für die Zielkunden relevant ist. Eine technische Rolle möchte vielleicht den Ablauf verstehen; ein kaufmännischer Entscheider braucht den Zusammenhang zur Arbeit im Unternehmen. Beides kann dieselbe Anwendung zeigen, aber mit anderem Schwerpunkt. Ein unspezifisches Versprechen wie ‚mehr Effizienz‘ sollte durch eine sichtbare Veränderung und geprüfte Produktangaben ersetzt werden.

02 / 06

Vor dem Gespräch, im Termin oder danach?

Vor dem Gespräch kann eine kurze Fassung einen gemeinsamen Ausgangspunkt schaffen. Im Termin lässt sich ein konkreter Mechanismus zeigen und anschließend besprechen. Nach dem Gespräch hilft eine eigenständig verständliche Fassung beim internen Weitergeben. Diese drei Situationen unterscheiden sich darin, wie viel Vorwissen und persönliche Erklärung vorhanden sind.

Plane deshalb nicht automatisch drei neue Filme. Oft können dieselben Szenen mit passendem Einstieg, Beschriftung und Abschluss genutzt werden. Eine Präsentationsfassung braucht vielleicht keine lange Anmoderation; ein weitergeleiteter Link muss ohne deinen Vertrieb verständlich sein. Prüfe außerdem, ob der Film auf dem vorgesehenen Präsentationssystem gut lesbar und zuverlässig abspielbar ist.

  • Situation: Vorinformation, Gespräch oder internes Weitergeben?
  • Person: Wer schaut zu und welches Vorwissen ist vorhanden?
  • Frage: Welche Funktion oder Anwendung muss verständlich werden?
  • Nachweis: Welche Produktangaben und Darstellungen sind freigegeben?
  • Weiter: Welche konkrete Frage oder Handlung soll der Film vorbereiten?
EINE FUNKTION VERSTÄNDLICH MACHEN

Das Ergebnis braucht einen sichtbaren Weg.

01 / EINGANG

Eine Anfrage

02 / BEARBEITUNG

Der wichtige Schritt

03 / ERGEBNIS

Ein nutzbares Ergebnis

Im Gespräch

Funktion zeigen, Details besprechen.

In der Präsentation

Den Zusammenhang klar halten.

Nach dem Termin

Auch ohne Erklärung verständlich.

Ein schematischer Bearbeitungsablauf: Die Verbindung zwischen Anfrage, entscheidendem Schritt und Ergebnis wird sichtbar.
03 / 06

Zeige einen Ablauf statt einer Liste von Vorteilen

Bei einer Datenlösung könnte der Film eine Eingabe, ihre Verarbeitung und das nutzbare Ergebnis zeigen. Bei einer Maschine helfen die beteiligten Bauteile und die entscheidende Bewegung. Das Bild sollte erkennen lassen, was ausgelöst wird und was sich dadurch verändert. Fachbegriffe können ergänzen, dürfen den Zusammenhang aber nicht ersetzen.

Eine schematische Darstellung ist sinnvoll, wenn sie die Funktion lesbarer macht. Sie darf keine automatische Integration, Freigabe oder Leistungssteigerung erfinden. Bei technischen Produkten prüft die verantwortliche Fachperson die Abfolge. Bei Software wird klar festgelegt, ob echte Bedienung oder ein vereinfachtes Funktionsprinzip gezeigt wird. So vermeidest du, dass ein überzeugendes Bild später falsche Erwartungen erzeugt.

04 / 06

Mehrere Entscheider brauchen unterschiedliche Antworten

Ein Einkauf, eine technische Abteilung und die spätere Anwenderin betrachten dasselbe Produkt aus verschiedenen Perspektiven. Der Film muss nicht alle Fragen zugleich beantworten. Ein verständlicher Überblick kann durch eine kurze Detailfassung oder ein Datenblatt ergänzt werden. Wähle die erste Erklärung danach, was den nächsten sinnvollen Schritt im Verkauf ermöglicht.

Für das interne Weitergeben sind eine klare Produktbezeichnung und eine in sich geschlossene Aussage wichtig. Vertrauliche Kundendaten oder nur im Gespräch erläuterte Einschränkungen gehören nicht versehentlich in eine allgemein verwendete Fassung. Prüfe, welche Szenen öffentlich genutzt werden dürfen und welche nur für einen bestimmten Empfängerkreis gedacht sind.

05 / 06

Der Schluss soll das Gespräch öffnen

Ein sinnvoller Abschluss passt zur Verkaufsphase: einen passenden Einsatz besprechen, eine konkrete Demo vereinbaren oder technische Voraussetzungen prüfen. ‚Jetzt kaufen‘ ist bei einer komplexen B2B-Lösung nicht immer die richtige Aufforderung. Ein langer Kontaktblock kann ebenfalls überflüssig sein, wenn der Film direkt in einer persönlichen Mail versendet wird.

Frag nach der Nutzung nicht nur, ob der Film gefallen hat. Hat das Gegenüber die Funktion verstanden? Welche Rückfrage blieb? Konnte der Vertrieb schneller zur passenden Anwendung kommen? Solche Rückmeldungen helfen bei einer gezielten Überarbeitung. Ein kürzerer Verkaufszyklus lässt sich nicht allein aus einer hohen Zahl an Videowiedergaben ableiten.

06 / 06

So bereitest du ein Vertriebsproduktvideo vor

Schick mir Produktlink, typische Zielkunden und zwei oder drei Fragen aus echten Gesprächen. Eine vorhandene Präsentation, ein Datenblatt oder ein kurzer Funktionsablauf hilft. Nenne außerdem, wer Produktangaben freigibt, wo der Film eingesetzt werden soll und welcher Termin wichtig ist. Ein fertiges Skript ist nicht erforderlich.

Ich schlage die erste konkrete Erklärung und eine passende Bildfolge vor. Danach werden die benötigten Szenen, Lieferfassungen und Abstimmungen im Angebot festgehalten. Wenn mehrere Vertriebssituationen abgedeckt werden sollen, planen wir gemeinsame Szenen und die jeweiligen Unterschiede vorher. So entsteht ein verwendbares Werkzeug für den Vertrieb statt eines Films, der nur beim ersten Vorführen funktioniert.

Häufige Fragen

Ist das dasselbe wie ein Imagefilm?

Nein. Ein Imagefilm stellt eher das Unternehmen vor. Ein Vertriebsproduktvideo beantwortet eine konkrete Produkt- oder Anwendungsfrage. Welche Form sinnvoll ist, hängt davon ab, was im Kundengespräch noch nicht verständlich wird.

Brauchen wir für jeden Entscheider ein eigenes Video?

Nicht automatisch. Ein klarer Überblick und ergänzende Details können genügen. Separate Fassungen sind dann sinnvoll, wenn Vorwissen, Fragestellung oder Einsatz stark voneinander abweichen.

Kann der Film auch ohne persönliche Erklärung verschickt werden?

Ja, wenn diese Nutzung mitgeplant wird. Der Film muss dann Produkt, Ausgangslage und Aussage selbst verständlich machen. Was im Präsentationstermin nur mündlich ergänzt wird, darf in der verschickten Fassung nicht fehlen.